Statement: "Stärkere Sonnenaktivität und ein daran gekoppeltes stärkeres Magnetfeld der Sonne führt zur Klimaerwärmung" |
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Laut dem dänischen Physiker Henrik Svensmark wird der größte Teil des Temperaturanstieg in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine erhöhte Sonnenaktivität verursacht. Der Prozess wird wie folgt postuliert: 1) Schwankungen der Sonnenaktivität führen zu Schwankungen im Magnetfeld der Sonne. 2) Je stärker das Magnetfeld der Sonne, desto stärker wird die Erde vom kosmischen Strahlenfluss abgeschirmt (kosmische Strahlung: Protonen, Elektronen, ionisierte Atome; aus explodierenden Sternen). 3) Die kosmischen Strahlen tragen als Kondensationskeime zur Bildung von tiefen Wolken bei (maximale Höhe 3 km) (Prinzip Nebelkammer). Insbesondere geht es hier um den höchst-energetischen Anteil der kosmischen Strahlung Muonen), da nur dieser Anteil in die tiefen Atmospärenschichten vordringen kann. Wolken der mittleren und höheren Atmosphäre werden hingegen nicht vom kosmischen Strahlenfluß beeinflußt, weil dort zu jeder Zeit ausreichende kosmische Strahlung zur Verfügung steht (Svensmark & Calder 2007, S. 77ff). Der Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und tiefer Wolkenbildung konnte für die vergangenen 25 Jahre nachgewiesen werden (Abbildung 1a) und wurde zudem von Svensmark im Laborversuch bestätigt (mehrjähriges Sky-Experiment, Svensmark et al. 2007). Die Ergebnisse werden derzeit am CERN in Genf im Rahmen des Projekts CLOUD nachgeprüft. Costantino & Bréon (2010) konnten anhand von LIDAR-Messungen zeigen, dass Aerosole einen sehr starken Einfluß auf die Wolkenbildung besitzen. Tiefe Wolken sind für etwa die Hälfte der Rückstrahlung der auf die Erde auftreffenden Sonnenenergie zurück in den Weltraum verantwortlich (L'Ecuyer & Jiang 2010). Veränderungen in der tiefen Wolkenbedeckung können daher zu merklichen Klimaänderungen führen. 4) Je weniger kosmische Strahlen, desto weniger kühlende Wolken, desto wärmer das Klima. Die Bedeckung von kühlenden, niedrigen Wolken sank im Zeitraum 1983-2008 von 29% auf 25% (Abbildung 1b), wobei sich die globalen Temperaturen im gleichen Zeitraum erhöhten (Abbildung 1c) und Extraseite. Die inverse Korrelation zwischen kosmischer Strahlung und der Temperatur konnte für die vergangenen 1000 Jahre (Abbildung 2) sowie im 500 Millionen Jahre Maßstab nachgewiesen werden (Abbildung 3 ). Laut Svensmark et al. (2009) zeigt sich der Zusammenhang zwischen verstärkter Sonnenaktivität, verminderter kosmischer Strahlung und Abnahme der niedrigen Wolkenbedeckung auch im Rahmen von kurzzeitigen solaren Ausbrüchen. Der hierdurch intensivierte Sonnenwind hält verstärkt hochenergetische Teilchen der kosmischen Strahlung von der Erde fern und führt dadurch zu einem auf der Erde messbaren plötzlichen Abfall der hochenergetischen kosmischen Strahlung. Das Phänomen wird als "Forbush-Ereignis" bzw. "Forbush Decrease" bezeichnet. Svensmark et al. (2009) zeigten, daß mehrere Tage im Anschluß an solche Ereignisse die Aerosol-Konzentration, die niedrige Wolkenbedeckung sowie der flüssige Wassergehalt der niedrigen Wolken abnimmt. Einen weiteren Hinweis auf eine Wolken-basierte Klimasteuerung gibt die Temperaturentwicklung der Ost-Antarktis. Hier ist die Temperatur in den letzten Jahrzehnten gesunken, während sie in der restlichen Welt gestiegen ist (Abbildung 6). Svensmark & Calder (2007, S. 82ff) führen diese Abweichung auf den klimasteuernden Effekt von niedrigen Wolken zurück. Während diese Wolken im Rest der Welt kühlende Wirkung haben, besitzen sie in der Ost-Antarktis eine wärmende Funktion (Pavolonis and Key 2003). Die sehr hohe Albedo des antarktischen Eisschildes strahlt bei fehlender Wolkendecke sehr viel Sonnenenergie zurück in den Weltraum, wohingegen Wolken einen Teil der Sonnenenergie absorbieren und in Form von Wärme in Richtung Boden strahlen (Svensmark & Calder 2007, S. 88). Svensmark & Calder (2007, S. 83-84) führen eine Reihe von weiteren Episoden in den letzten 10.000 Jahren auf, während derer inverse Temperaturtrends zwischen Antarktis und Grönland geherrscht haben sollen ("polar see-saw") (siehe auch Severinghaus 2009) (Abbildung 5). Trotz des Temperaturrückgangs in der Ostantarktis während der letzten Jahrzehnte ist es auch hier im Vergleich zu 1900 wärmer geworden. Svensmark erklärt dies mit einer Zunahme des globalen atmosphärischen Wasserdampfgehaltes, der auch in der Antarktis seine Wirksamkeit zeigt (Svensmark & Calder 2007, S. 89). Neff et al. (2001) fanden für Stalagmiten aus dem Oman eine sehr gute Korrelation zwischen Temperatur und Sonnenaktivität für die Zeit von 9.000-6.000 Jahren vor heute (Abbildung 4). Die Sonnenaktivität wurde über Schwankungen des C14-Gehalts ermittelt, der die Intensität der kosmischen Strahlung abbildet, die wiederum durch das Sonnenmagnetfeld moduliert wird (siehe oben).
Kontext: Sonnenflecken bilden die Sonnenaktivität und daher die Intensität der kosmischen Strahlung nur grob und keinesfalls eins zu eins ab (Svensmark & Calder 2007, S. 222). Die Ulysses Sonde umkreist die Sonne über die Pole und mißt das Magnetfeld in der sonnennahen Umgebung. Die Sonde trägt jedoch keine geeigneten Meßinstrumente, um das Magnetfeld direkt auf der Sonnenoberfläche zu messen. Aus diesem Grund ist geplant den "Solar Orbiter" 2015 zu starten, der ab 2020 das Magnetfeld der Sonnenoberfläche vermessen soll (Svensmark & Calder 2007, S. 224). Die Wolkenbedeckung kann von der Erdoberfläche oder von Satelliten aus beobachtet werden. Beim Vorhandensein von mehreren übereinanderliegenden Wolkenschichten kann von der Erdoberfläche bzw. vom Satelliten nur ein Teil der Wolken beobachtet werden da der Rest verdeckt ist (Archer & Rahmstorf 2010, S. 52). |
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Die vorliegenden Beobachtungsdaten umfassen weniger als zwei Sonnenfleckenzyklen. Außerdem zeigen kosmische Strahlung und die Bewölkung nach Friis-Christensen 1987 und 1986 ein Maximum und liegen 1990 am niedrigsten. Diese Beobachtung lässt sich in keiner Weise mit der globalen Mitteltemperatur korrelieren, die 1985 ein Minimum aufweist, seitdem aber kontinuierlich ansteigt. Selbst wenn sich auf der Basis längerer Beobachtungsreihen die These von Friis-Christensen erhärten würde, wäre damit der steigende Temperaturtrend der letzten 100 Jahre nicht erklärbar, da der kosmische Strahlenfluss, der die Bewölkung beeinflussen soll, um einen Mittelwert schwankt und keinen Trend aufweist (UBA). Der Einfluss der kosmischen Strahlung wird augrund des noch unverstandenen Prozesses in keinem der weltweit anerkannten Klimamodelle berücksichtigt (Latif 2007, S. 143; Archer & Rahmstorf 2010, S. 126). Kulmala et al. (2010) bezweifeln, daß die kosmische Strahlung maßgeblich zur Bildung von Aerosolen beiträgt und stellen damit die Klimarelevanz von Änderungen in der kosmischen Strahlung in Frage. Vor 40.000 Jahren schwächte sich das Erdmagnetfeld während des "Laschamp Ereignisses" stark ab (z.B. Singer et al. 2009). Zu dieser Zeit konnte die kosmische Strahlung verstärkt in die Erdatmosphäre eindringen. Trotzdem kam es zu keiner Abkühlung, was den Svensmark-Effekt in Frage stellt (Beer 2005).
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LESE- UND FILMEMPFEHLUNGEN:
--Erläuterung des Prozesses auf sciencebits.com
--TV-Dokumentarfilm "The Cloud Mystery" auf Youtube (auf englisch), Teil 1, 2, 3, 4, 5 (anfangs einige wenige dänische Kommentare)
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ABBILDUNGEN:

Abbildung 1a: Sehr gute Korrelation zwischen kosmischer Strahlung und niedriger Wolkenbedeckung seit 1980 (nach Marsh & Svensmark, 2003).

Abbildung 1b: Entwicklung der globalen Wolkenbedeckung von 1983-2008, aufgeschlüselt nach Wolken in niedriger, mittlerer und großer Höhe. Die Bedeckung von kühlenden niedrigen Wolken sank im Betrachtungszeitraum von 29% auf 25%, was eine Klima-Erwärmung bewirkt. Ein kleines Zwischentief entwickelte sich um 1990. Vergleiche mit Abbildung 1a, die einen Zusammenhang der niedrigen Wolken-Zyklik mit dem 11-Jahres-Sonnefleckenzyklus zeigt. Abbildung von climate4you.com, basierend auf Daten des International Satellite Cloud Climatology Project (ISCCP).

Abbildung 1c: Scatter Plot der globalen Oberflächentemperatur gegen die niedrige Wolkenbedeckung für den Zeitraum 1983-2008. Je geringer die niedrige Wolkenbedeckung, desto höher die Temperatur. Abbildung von climate4you.com, basierend auf Daten des International Satellite Cloud Climatology Project (ISCCP) und dem HadCRUT3-Temperaturdatensatz der University of East Anglia 's Climatic Research Unit .

Abbildung 2: Gute Korrelation zwischen Temperatur, kosmischer Strahlung und den Andengletschern für die vergangenen 1000 Jahre (aus Kirkby 2008, Surveys in Geophysics, 28, 333-375)

Abbildung 3: Sehr gute Korrelation zwischen kosmischer Strahlung (basierend auf Exposure-Altern von Eisenmeteoriten) und der geochemisch rekonstruierten Temperatur in den Tropen für die vergangenen 500 Millionen Jahre (Shaviv & Veizer 2003).

Abbildung 4: Sehr gute Korrelation zwischen Temperatur ("delta 18O") und Sonnenaktivität ("delta 14C") für die Zeit von 9.000-6.000 Jahren vor heute. Die Sonnenaktivität wurde über Schwankungen des C14-Gehalts ermittelt, der die Intensität der kosmischen Strahlung abbildet, die wiederum durch das Sonnenmagnetfeld moduliert wird (aus Neff et al. 2001).

Abbildung 5: Die Temperaturentwicklung in Grönland und der Antarktis scheinen in den letzten 10.000 Jahren abschnittsweise gegensätzlich zueinander zu verlaufen ("polar see saw"). Svensmark (2007) interpretiert dies durch die unterschiedliche klimatische Bedeutung von niedrigen Wolken in der (sehr kalten) Ost-Antarktis (Wolken üben Wärmeeffekt aus) im Gegensatz zum Rest der Welt (Wolken besitzen einen kühlenden Effekt). Abbildung nach Knutti et al. (2004).

Abbildung 6: Temperaturveränderung während des Zeitraums 1982-2004 (Abbildung: Nasa).

Abbildung 7: Kosmische Strahlung besteht aus einem Spektrum verschiedener Energien. Kosmische Strahlung der höchsten Energie kann weder vom Sonnen- noch vom Erdmagnetfeld beeinflußt werden. Mittlere Energien können vom starken Sonnenmagnetfeld moduliert werden, jedoch nicht vom schwächeren Erdmagnetfeld. Diese Kosmische Strahlung führt zur Bildung von Klima-beeinflusenden Munonen, die in die untere Atmosphäre eindringen können. Niedrigenergetische kosmische Strahlung wird sowohl vom Sonnen- als auch vom Erdmagnetfeld moduliert. Radionucleide wie 10Be oder 36Cl werden von kosmischer Strahlung in höheren Atmosphärenschichten gebildet, so daß auch niedrig-energetische kosmische Strahlung maßgeblich daran beteiligt ist. Aus: Svensmark (2007).
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