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Klima Argumente: Temperatur

Statement:
"
Die Mittelalterliche Wärmeperiode war ein
lokales Phänomen im nordatlantischen Raum"



PRO   CONTRA

Mann et al. veröffentlichten 1999 eine Temperaturkurve der nördlichen Hemisphäre (die sog. "Hockey Stick-Kurve"), in der weder die Mittelalterliche Wärmephase, noch die Kleine Eiszeit mit signifikanten Temperaturanomalien vertreten waren (Abbildung 2). Die beiden Klimaphasen wurden als lokal auf den nordatlantischen Raum begrenzt interpretiert.
Hinweis: Wie eine Überprüfung der Mann et al.-Arbeiten aus 1998 und 1999 durch McIntyre & McKitrick ergab, muß die Hockeystick-Kurve aufgrund von Datenfehlern und Fehlern in der statistischen Bearbeitung heute als überholt angesehen werden (siehe Details in Montford 2010). Es konnte gezeigt werden, daß das verwendete statistische Verfahren dazu neigt, Hockey Stick-Kurvenverläufe aus nahezu beliebigen Datensätzen zu generieren. Zudem bestand die Temperaturkurve nicht den statistischen R2-Test. Die Eingangsdaten setzten sich zu einem großen Teil aus Baumringmeßwerten zusammen, die jedoch nicht immer ideale Temperaturproxies darstellen. So werden Wintertemperaturen oft nicht verlässlich abgebildet, zum Teil treten im späten 20. Jahrhundert höhere Wachstumsraten durch CO2-Düngungseffekte auf (z.B. bei "bristlecones"), und es wurden Baumringdaten ab den 1980er Jahren einfach ignoriert, deren Trend von den gemessenen Thermometerwerten abwichen, und zum Teil sogar rückläufige Tendenzen aufwiesen ("Divergenzproblem"). Insbesondere im ältesten Teil der Temperaturkurve ist die Datenlage schlecht und die Auswahl und geographische Verteilung der Meßdaten fragwürdig. Zum Teil wurden Daten extrapoliert ("Gaspé"-Daten), zum Teil falsche oder veraltete Daten verwendet ("Twisted Hill" und "Heartrot Hill" Daten).
Ein Teil der Fehler wurde später zugegeben, jedoch behauptet, dies würde an der Kurve kaum etwas ändern. Auch eine spätere angeblich "unabhängige" Bestätigung der Mann et al. Methodik und Kurve durch Wahl & Ammann (2007) muß kritisch gesehen werden, da es sich bei Caspar Ammann um einen ehemaligen Doktoranden von Ray Bradley handelt, welcher Co-Autor der beiden Mann et al. (1998 & 1999) papers war. Im Jahr 2008 veröffentlichten Mann et al. eine überarbeitete Version der Temperaturkurve, in der sie zwar weniger Baumringdaten verwendeten, jedoch noch immer "bristlecones" einarbeiteten, deren starkes Wachstum in den letzten Dekaden wohl überwiegend durch CO2-Düngung zugelegt hat. Zudem wurden in diesem Paper Temperatur-Proxy-Daten eines finnischen Sees fehlerhaft interpretiert und eingearbeitet.
Die Mann et al. (1998, 1999, 2008) Temperatur-Kurven müssen daher kritisch gesehen werden. Einen brauchbaren Beweis für eine lediglich lokale Ausbildung von
Mittelalterlicher Wärmephase und Kleiner Eiszeit stellen sie nicht dar.

 

Kontext:

Das Argument der örtlichen Beschränkung der Mittelalterlichen Wärmeperiode wird z.B. von Prof. Stefan Rahmstorf (Potsdam) und Prof. Gerald Haug (Zürich) vertreten.

 

Es gibt zahlreiche Hinweise auf eine Temperaturerhöhung während der Mittlelalterlichen Wärmeperiode (Abbildung 1) aus den verschiedensten Regionen der Erde (Zusammenfassungen von co2science.org):

--Afrika
--Antarktis
--China
--Asien (ohne China & Rußland)
--Rußland
--Europa
--Nordamerika
--Südamerika

Das IPCC verwendet verstärkt Baumjahresringe zur Temperaturrekonstruktion der letzten 1000 Jahre. Baumjahresringe zeigen für den Übergang vom Mittelalterlichen Wärmeoptimum zur Kleinen Eiszeit Temperaturdifferenzen an, die fast eine Größenordnung niedriger lieges als über Stalagmiten ermittelte Werte. Laut Prof. Augusto Mangini (Univ. Heidelberg) könnte das daran liegen, dass die Variabilität des Klimas der Nordhemisphere vorwiegend und am deutlichsten im Winter stattfindet, wenn Bäume schlafen.

McShane & Wyner (2010, im Druck) wiesen mittlerweile signifikante Fehler in den Hockeystick-Kurven von Mann und Kollegen nach. Sie legten nun eine neue Rekonstruktion der der Nordhemisphären-Temperaturkurve für die vergangenen 1000 Jahre vor (Abbildung 3). Natürliche Klimaschwankungen sind hier sehr viel stärker ausgeprägt. Die Mittelalterliche Wärmephase, Kleine Eiszeit und aktuelle Wärmephase sind deutlich ausgebildet. Der Temperaturanstieg seit 1990 ist im Vergleich zu Mann et al. 1999 geringer.

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ABBILDUNGEN:

Abbildung 1: Temperaturentwicklung in der Nacheiszeit (letzte 10.000 Jahre). Der aktuelle Temperaturanstieg ist Teil einer Serie von Wärmeperioden (in rot). Das wärmste Klima herrschte vor 6.000-8.000 Jahren. Bildquelle.

 

Abbildung 2: Hockey Stick-Kurve aus dem 2001 IPCC report, basierend auf Daten aus Mann et al. 1999. Die blaue Linie bildet Temperatur-Proxies ab, die rote Linie gibt Thermometer-Temperaturmesswerte wieder. Der grau-schattierte Bereich entspricht den Fehlerbalken. Die Mittelalterliche Wärmephase und die Kleine Eiszeit sind in dieser Klima-Rekonstruktion nicht enthalten. Die Kurve gilt heute aufgrund von Datenfehlern und Fehlern in der statistischen Bearbeitung als überholt.

 

Abbildung 3: Rekonstruktion der Nordhemisphären-Temperaturkurve für die vergangenen 1000 Jahre durch die Statistiker McShane & Wyner (2010, im Druck). Die Mittelalterliche Wärmephase, Kleine Eiszeit und aktuelle Wärmephase sind deutlich ausgebildet. Der Temperaturanstieg seit 1990 ist im Vergleich zu Mann et al. 1999 weniger stark ausgeprägt.

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