Statement: "Die sich gerade entwickelnde Wärmephase ist einzigartig in den vergangenen 3.000 Jahren" |
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Die aktuell gemessenen Temperatursteigerungsraten sind laut Mann et al. (2008) die stärksten der vergangenen 1300 Jahren. In den letzten 150 Jahren ist die globale Temperatur um 0,8-1°C angestiegen. Laut IPCC (2007) ist die Mittelalterliche Wärmeperiode nur lokal im Atlantik-Bereich ausgeprägt gewesen (siehe Diskussion auf Extraseite) und Folge einer Wärme-Umverteilung. Die Maximaltemperaturen der Mittelalterlichen Wärmeperiode wären laut IPCC (2007, Kapitel 6) bereits Mitte des 20. Jh. wieder erreicht worden.
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Der beobachtete Temperaturanstieg ist keineswegs außergewöhnlich und setzt lediglich eine bekannte Reihe von Erwärmungsphasen der letzten 4.000 Jahre fort. Diese historisch belegten Wärmeperioden treten im Abstand von 1500 Jahren (+/- 500 Jahre) auf und entsprechen den Dansgaard-Oeschger Ereignissen (z.B. Rahmstorf 2003), die sowohl in der letzten Vereisungsphase wie auch in der holozänen Nacheiszeit (z.B. Bond et al. 2001) stattfanden. In den Zwischeneiszeiten (inkl. des aktuellen Holozäns) sind die interpretierten D-O Zyklen streckenweise undeutlicher erkennbar und auch die Periodenlänge variiert etwas stärker. D-O Zyklen sind durch kurzfristige und zugleich drastische Klimaschwankungen gekennzeichnet mit Temperaturveränderungen von mehreren °C binnen weniger Jahre, allenfalls Jahrzehnten. Die Ursache der D-O-Zyklen wird in solaren Aktivitätsschwankungen gesehen (nähere Informationen siehe Solarseite). Im Holozän schwankt die Temperatur während der D-O Zyklen in einer Größenordnung von 1-2°C (Abbildung 2). Die vier jüngsten Wärmphasen umfassen die Zwischen den Warmphasen herrschten Kälteperioden, darunter auch die --das Nach-Minoische Pessimum Während der Minoischen Wärmeperiode entstand die erste europäische Hochkultur im griechischen Mykene . Sie erreichte ihren Höhepunkt im 14. Jh. v. Chr. und brach ab dem 13. Jh. v. Chr. zusammen. Behringer (2007, S. 79ff) nimmt an, daß das Ende Mykenes vor allem durch globale Abkühlung nach der Minoischen Wärmeperiode und damit verbundene ausbleibende Niederschläge und Wasserknappheit im Mittelmeerraum verursacht wurde. Während des Nach-Minoischen Pessimums ereignete sich um 800 v. Chr. ein signifikanter Klimasturz , der in Mitteleuropa gut belegt ist (Behringer 2007, S. 82). Gletscher wuchsen, Baumgrenzen sanken in den Alpen um 300-400m ab. Um die Zeit um Christi Geburt erwärmte sich das Klima und leitete die "Römische Wärmeperiode" ein. Laut Behringer (2007, S. 86) dürften damals ähnliche Temperaturen wie heute, nördlich der Alpen sogar höhere geherrscht haben. Unter Trajan erreichte das Imperium Romanum seine größte Ausdehnung. Das Klima im Mittelmeerraum war warm aber nicht zu trocken. Nordafrika war die Kornkammer Roms. Eine ganzjährige Passierbarkeit der Alpenübergänge erleichterte die Römische Eroberung nordalpiner Provinzen. In England wurde Wein angebaut. In China erlebte die Han-Dynastie ihre Blütezeit. Die Erwärmung dauerte bis etwa 400 n. Chr., als Nordeuropa stark abkühlte und Teile Asiens von Dürren geplagt wurden (Behringer 2007, S. 86ff). Das frühmittelalterliche Pessimum dauerte in Nordeuropa etwa von 450-750 n. Chr. (Behringer 2007, S. 92). Es kam zu einer Abkühlung von 1-1,5°C im Jahresdurchschnitt, die Baumgrenzen in Mitteleuropa sanken um etwa 200m. Gletscher in der Schweiz rückten vor und erreichten ein Ausmaß wie während der Spätphase der Kleinen Eiszeit (z.B. beim Unteren Grindelwaldgletscher). Die Bevölkerung in Europa sank auf einen nie wieder erreichten Tiefstand aufgrund von Kälteeinbrüchen, Mißernten, Überschwemmungen, Hungersnöten und Epidemien. Ganze Landstriche wurden entvölkert (Behringer 2007, S. 96). Während der letzten Warmphase vor etwa 1000 Jahren, der Mittelalterlichen Wärmeperiode, war es zumindest auf der atlantischen Seite der Nordhalbkugel wärmer als zur Zeit. Die Anbaugrenzen in den deutschen Mittelgebirgen reichten etwa 200 m höher als gegenwärtig, so dass die Kulturlandschaft Deutschlands im Hochmittelalter ihre größte Ausdehnung erfährt. Das im Vergleich zur Völkerwanderungszeit wärmere Klima erlaubte den Weinanbau sogar in Ostpreußen, Pommern und Südschottland. Getreideanbau war in Norwegen bis fast zum Polarkreis möglich. Zeitgleich zog sich das Packeis im nördlichen Atlantik nach Norden zurück. Ebenso ermöglichte die Erwärmung den Skandinaviern die dauerhafte Besiedelung Islands (seit etwa 870) und Grönlands ("Grünland") (seit 986). Es folgte dann die so genannte „Kleine Eiszeit“, in der vor allem in Mitteleuropa
die Temperaturen wesentlich niedriger waren, nicht kontinuierlich, aber im Mittel. Aus der Temperaturkurve in Abbildung 1 geht hervor, daß auch zu Beginn vorangegangener Wärmphasen mit starken Temperatursteigerungsraten zu rechnen ist. Messstationen hat es jedoch zu dieser Zeit noch nicht gegeben, stattdesen müssen die Temperaturen über ungenauere Proxies ermittelt werden. Laut einer Studie von Jeff Knight (Exeter) & Kollegen sind die Temperaturen global in den letzten zehn Jahren nicht gestiegen. Zwar hat es von 1999 bis 2008 eine Erhöhung um 0,07 Grad gegeben, aber die erkläre sich aus kurzfristigen natürlichen Schwankungen, vor allem durch El Niño. Rechnet man diesen Effekt heraus, kommt man für die letzten zehn Jahre auf eine Erwärmung von exakt 0,00 Grad (Abbildung 3). Der IPCC-Autor Prof. Phil Jones (Univ. East Anglia) erklärte im Februar 2010 in einem BBC-Beitrag, daß es während der Perioden 1860-1880, 1910-1940, 1975-1998 Temperaturanstiege einer ähnlichen Größenordnung gegeben hat (0,15-0,16°C/Dekade), die statistisch nicht voneinander unterscheidbar sind. Zudem ist die Temperatur in der Zeit von 1995-2009 konstant geblieben. Ein statistisch belegbarer Anstieg hat nicht stattgefunden. Das Klima wandelte sich in der Nacheiszeit mehrfach, auch zu Zeiten bevor der Motor erfunden wurde und fossile Brennstoffe in großem Maßstab verfeuert wurden. Das wärmste Klima der Nacheiszeit herrschte vor 8.000-6.000 Jahren (Abbildung 2). Die urpsrünglich von Mann & Kollegen erarbeitete "Hockeystick"-Temperaturkurve, die eine wichtige Grundlage des IPCC-Berichts 2001 und Al Gore's Film "An inconvenient Truth" war, ist nicht mehr gültig. Die Mittelalterliche Wärmephase war nicht enthalten. Dies suggerierte fälschlicherweise daß der aktuelle Temperaturanstieg einmalig in der jüngeren menschlichen Geschichte sei. McShane & Wyner (2010, im Druck) wiesen mittlerweile signifikante Fehler in den Hockeystick-Kurven von Mann und Kollegen nach. Sie legten nun eine neue Rekonstruktion der der Nordhemisphären-Temperaturkurve für die vergangenen 1000 Jahre vor (Abbildung 5). Natürliche Klimaschwankungen sind hier sehr viel stärker ausgeprägt. Die Mittelalterliche Wärmephase, Kleine Eiszeit und aktuelle Wärmephase sind deutlich ausgebildet. Der Temperaturanstieg seit 1990 ist im Vergleich zu Mann et al. 1999 geringer. |
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LESEEMPFEHLUNGEN:
Mittelalterliche Wärmeperiode: Rudolf Kipp (2009)
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ABBILDUNGEN:

Abbildung 1: Globale Temperaturentwicklung der letzten 5000 Jahre (aufgetragen in delta18O, warm nach oben, kalt nach unten). Das Klimageschehen ist durch zyklisches Erwärmen und Abkühlen gekennzeichnet. Charakteristische Warmphasen treten alle +/- 1000-1500 Jahre auf, darunter auch die aktuelle Erwärmungsphase. Möglicherweise waren die drei Warmphasen vor heute sogar intensiver als die aktuelle Aufwärmphase (nach Carter 2007).

Abbildung 2: Temperaturentwicklung in der Nacheiszeit (letzte 10.000 Jahre). Der aktuelle Temperaturanstieg ist Teil einer Serie von Wärmeperioden (in rot). Das wärmste Klima herrschte vor 6.000-8.000 Jahren. Bildquelle.

Abbildung 3: Kein Temperaturanstieg im Zeitraum 1999-2008 (Abbildung aus "Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2009)

Abbildung 4: Dangaard-Oeschger-Temperaturzyklen während der letzten Vereisungsphase für den Zeitraum 50.000-30.000 Jahre vor heute. Es ist eine deutliche Zyklizität mit einer Periode von ~1470 Jahre ausgebildet. GRIP and NGRIP Eiskerndaten (delta-O-18 als Temperaturproxy). Abbildung aus Wikipedia.

Abbildung 5: Rekonstruktion der Nordhemisphären-Temperaturkurve für die vergangenen 1000 Jahre durch die Statistiker McShane & Wyner (2010, im Druck). Die Mittelalterliche Wärmephase, Kleine Eiszeit und aktuelle Wärmephase sind deutlich ausgebildet. Der Temperaturanstieg seit 1990 ist im Vergleich zu Mann et al. 1999 weniger stark ausgeprägt.